BRUCHLAST MARKISENSCHNUR 3MM 5,16 kN — 142 % stärker als generisches HMPE
Zwei häufig verwendete Markisenschnüre für Terrassenüberdachungen, jeweils fünfmal nach ISO 2307:2019 getestet. Das Ergebnis: „HMPE-Seil" ist kein einheitliches Produkt.
Zwei weit verbreitete Markisenschnüre – darunter das gängigste generische HMPE-Seil – wurden jeweils fünfmal auf Bruchlast nach ISO 2307:2019 getestet. Der Unterschied zwischen der stärksten und der schwächsten Schnur: 142 %.
Zu Seilen für alltägliche Anwendungen liegen nur sehr wenige Daten vor. Maritime Normen sind gut etabliert, aber wie sieht es mit der Schnur in Ihrer Sonnenschutzmarkise aus? Öffentlich ist praktisch nichts verfügbar.
Hersteller geben zwar einen Wert an, dieser wird jedoch selten durch regelmäßige Tests nach ISO-Normen belegt.
Monteure und Endnutzer verlassen sich oft allein auf die Produktbezeichnung. Doch „HMPE" auf einem Etikett oder einer Produktseite sagt nichts über die Faserqualität aus.
Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen Fasertypen, dem Aufbau der Schnur – insbesondere dem Kern – und der im Kern verwendeten Materialmenge.
Bisher wurden über 100 verschiedene Seile getestet, insgesamt mehr als 500 einzelne Seilproben. Diesmal lag der Fokus auf der 3 mm-Schnur, die häufig zur Reparatur von Terrassenmarkisen verwendet wird.
Die Reparatur einer solchen Markise ist ein erheblicher Aufwand – die Hauptkosten entstehen durch die Arbeitszeit, nicht durch die Schnur selbst. Das macht die Wahl des stärksten, langlebigsten Seils zur logischen Entscheidung.
„Wer Seil kauft, muss sich auf die Spezifikation verlassen können. Aber ‚3 mm HMPE' sagt so viel aus wie ‚Auto, 4 Räder'. Deshalb haben wir es selbst getestet – nach Norm, fünfmal pro Schnur."— Otto Tromm
Die getesteten SchnüreGenerisches HMPE vs. Prorope Dyneema SK78
Es wurden zwei Schnüre getestet: ein 3 mm HMPE-Seil mit weißem Polyester-Mantel und blauem Markierfaden – die meistverkaufte Schnur für Markisenanwendungen – sowie eine 3 mm Prorope-Schnur mit geschlagenem Dyneema SK78-Kern und weißem Polyester-Mantel.
3 MM HMPE mit Polyester-Mantel und blauem Markierfaden
3 MM Prorope Dyneema mit Polyester-Mantel
Wie die Markisenschnur getestet wird

3 mm HMPE-Schnur in der Bruchlastprüfmaschine
Die Tests werden auf einer Universalprüfmaschine mit einer Kapazität von 50 kN durchgeführt.
Für die Bruchlastprüfungen werden spezielle Seilklemmen verwendet, sodass das Seil ohne Knoten oder Spleiß geprüft werden kann.
Alle Tests wurden gemäß ISO 2307:2019 durchgeführt – 5 Messungen pro Schnur, wodurch Ausreißer ausgeschlossen werden. Die Tests wurden im Juli 2026 durchgeführt.
Testergebnisse
Keine der beiden Schnüre riss vollständig bei einem einzigen Versagen – bei den angegebenen Bruchlasten brach nur der Kern, danach trug der Polyester-Mantel die Restlast.
Das generische HMPE-Seil erreichte eine durchschnittliche Bruchlast von 218 kg / 2,13 kN, mit einem niedrigsten gemessenen Wert von 2,07 kN und einer Restfestigkeit von 1,48–1,66 kN. Die Dehnung betrug etwa 4 %.
Die Prorope Dyneema SK78-Schnur erreichte einen Durchschnitt von 526 kg / 5,16 kN, mit einem niedrigsten gemessenen Wert von 4,74 kN und einer Restfestigkeit von 1,74–2,15 kN. Die Dehnung lag unter 1 %.
Warum der Unterschied so groß ist
Der Kern wurde in beiden Fällen untersucht: Beide verwenden einen geschlagenen Kernaufbau, doch die SK78-Variante hatte einen deutlich dickeren Kern – das heißt, im Kern war erheblich mehr Dyneema vorhanden als HMPE bei der anderen Schnur.
Der Transparenz halber: Da der SK78-Kern physisch dicker ist und mehr Material enthält, erlaubt dieser Test allein keinen reinen Vergleich der einzelnen Faserstärke. Er zeigt jedoch, dass die Prorope-Konstruktion schlicht mehr Material verwendet – und Material von höherer Qualität.
Vergleich & Preis
Die meistverkaufte HMPE-Schnur kostet bei verschiedenen Anbietern bis zu 3 € pro Meter. Sie ist auf 25-Meter-Spulen für 1,20 € pro Meter erhältlich; eine 200-Meter-Spule kostet 149,95 € – etwa 0,75 € pro Meter, was insbesondere für Monteure relevant ist.
Die Dyneema SK78 mit Mantel kostet 1,95 € pro Meter nach Maß, oder 1 € pro Meter auf einer 100-Meter-Spule. Für eine 20-Meter-Reparatur kostet das HMPE 24 € und das Dyneema 39 € – etwa 60 % mehr.
Da eine Markisenreparatur ein erheblicher Aufwand ist, wird empfohlen, die zusätzlichen 15 € in die stärkere, langlebigere Schnur zu investieren.
Welche Schnur eignet sich für welche Anwendung?
Neben der Bruchlast spielt auch die Dehnung eine Rolle: SK78 ist für eine sehr geringe Dehnung (unter 1 %) bekannt, verglichen mit etwa 4 % bei generischem HMPE. Bei einem Motor mit festen Endpunkten ist eine minimale Dehnung vorzuziehen.
✓ Wählen Sie Dyneema SK78, wenn
- Die Reparatur arbeitsintensiv ist — der Preisaufschlag ist angesichts der Kosten einer erneuten Reparatur gerechtfertigt.
- Motor mit festen Endpunkten — minimale Dehnung verhindert eine Längenverschiebung im Laufe der Zeit.
✕ Wählen Sie generisches HMPE, wenn
- Der Preis ausschlaggebend ist — und die Reparatur unkompliziert wiederholt werden kann.
- Eine kurze Lebensdauer akzeptabel ist — zum Beispiel bei temporären oder saisonalen Anwendungen.
Fazit
Die Tests zeigen einen erheblichen Unterschied zwischen zwei Schnüren aus ähnlichem Material und identischem Durchmesser. Die SK78-Schnur ist doppelt so stark, aber auch 60 % teurer – nicht die günstigste, aber angesichts der Arbeitskosten einer Markisenreparatur die empfohlene Option.
Achten Sie darauf, dass die von Ihnen gekaufte Schnur dem ursprünglich angegebenen Durchmesser entspricht: Bei Terrassenmarkisen werden Schnurdurchmesser von 2,5 mm bis 4,2 mm verwendet.
Otto Tromm verfasst technische Testberichte für Prorope auf Grundlage firmeneigener Bruchlasttests nach ISO 2307:2019 und greift in diesem Fall zusätzlich auf seine Erfahrung in der Markisenbranche zurück.
